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Wieder kein Sieg – Kieler Handballfans verabschiedeten DHB-Team am Donnerstag

Die Handball-Europameisterschaft in Österreich ging am Donnerstag – und damit zwei bis drei Tage früher als vielfach erhofft – für das DHB-Team zu Ende. Noch einmal erlebten mehrere Dutzend Fans im Kieler Hauptbahnhof eine nicht unbedingt hochklassige, wohl aber bis in die Schlusssekunden spannende Partie. Und wieder einmal ging es trotz tapferer 60-minütiger Anfeuerung im Handballbahnhof eher zu Ungunsten der deutschen Mannschaft aus: Nach einem 26:26-Unentschieden beendet die deutsche Nationalmannschaft das Turnier als Zehnter.

Ein letztes Mal wollte sich das DHB-Team am Donnerstag zusammenreißen und -raufen, denn es ist ja häufig der letzte Eindruck, der am meisten haften bleibt. Sowohl für Tschechien als auch für Deutschland ging es in der Hauptrundengruppe im letzten Spiel nur noch darum, welche Mittelfeldplatzierung letztlich für die Mannschaften herausspringen würde. Obwohl diese Partie in Innsbruck am Nachmittag damit mehr oder weniger ein „Spiel um die goldene Ananas“ darstellte, waren alle „Stammgäste“ und einige neue Besucher zum Kieler Hauptbahnhof gepilgert – warum auch nicht, bei vergleichsweise nahezu frühlingshaften Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Zudem gab es auch am letzten Spieltag im Handballbahnhof beim Tippspiel wieder jede Menge Preise abzusahnen.

Um Punkt 16.30 Uhr startete die Partie zwischen Deutschland und Tschechien, die laut Stefan Brasse gar nicht anders als 31:25 für das DHB-Team ausgehen könnte. Und die Mannschaft von Heiner Brand, die auf Holger Glandorf verzichten musste, zeigte nach traditionellem Fehlstart, dass sie gewillt war, endlich den Tipp des NDR-Handballgurus wahr zu machen. Ausgerechnet der König der Fahrkarten, Lars Kaufmann, traf im ersten Durchgang nach Belieben, auch gleich vier Tore von Linksaußen Uwe Gensheimer konnten die Kieler Handballfans mit Klatschpappen und einer Menge Konfetti bejubeln. Nur von THW-Goalgetter Filip Jicha, bislang bester Torschütze bei der Europameisterschaft, sah man auf der großen Leinwand ziemlich gar nichts. Meistens bekam man nicht einmal den Spieler zu sehen, weil der Tscheche vom deutschen Kreisläufer Christoph Theuerkauf auf Höhe der Mittellinie„kurzgenommen“ wurde. Eine gute Taktik von Heiner Brand, die Deutschland zum zweiten Mal neben dem Spiel gegen Schweden eine Halbzeitführung einbrachte. 16:14 zur Pause – Optimismus bezüglich des deutschen Abschneidens bzw. Pessimismus bezüglich der abgegebenen Spieltipps machte sich breit.

Doch die deutsche Nationalmannschaft wäre nicht die deutsche Nationalmannschaft und der Handballbahnhof nicht der Handballbahnhof, wenn es nicht in der zweiten Halbzeit plötzlich spannender werden würde. Lars Kaufmann zeigte sich „endlich“ in gewohnter Form und ballerte vier Würfe in Folge gekonnt um das gegnerische Tor, als strebe er eine Zweitkarriere als Messerwerfer im Zirkus an. Tschechien verkürzte zum Entsetzen der meisten Fans im Hauptbahnhof den zwischenzeitlichen Drei-Tore-Rückstand und glich aus. In der dramatischen Schlussphase ging es dann wieder einmal Schlag auf Schlag: Deutschland legte vor, Tschechien – jetzt in Form eines aufdrehenden und nicht mehr zu haltenden Filip Jicha – konterte postwendend. Als der THW-Star dann sogar das 26:25 für seine Farben erzielte, sahen nicht nur die Fans im Handballbahnhof schwarz, auch Heiner Brand hatte genug gesehen und nahm seine Auszeit. Mit Erfolg: Wenig später durfte der Ausgleich durch Theuerkauf gefeiert werden, selbst der Siegtreffer war letztlich noch möglich für das DHB-Team. Doch das 26:26-Unentschieden ging letztlich leistungsgerecht in Ordnung, was auch die Kieler Fans anerkannten.

Nach der Partie war dann „Bescherung“ angesagt. Nicht nur die drei Tagesgewinner – nur eine einzige Zuschauerin tippte richtigerweise auf ein Unentschieden und sahnte damit einen von allen Stargästen beim Public Viewing unterschriebenen adidas-Handball ab – konnten sich freuen, auch die drei Gesamtgewinner des EM-Tippspiels wurden geehrt. Und da der Medienpartner NDR noch mehrere Handbälle und T-Shirts übrig hatte, gingen auch die Stammgäste, die beim Tippspiel nicht den richtigen Riecher besaßen, nicht leer aus. Letztlich sah man auf dem Handballbahnhof also nur glückliche Gesichter. Dass Deutschland nur Zehnter geworden ist bei der EM? Kleiner Schönheitsfehler – zumal die deutsche Mannschaft alles bereits bei der Handball-WM in Schweden im Januar 2011 wieder korrigieren kann.