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Bahnhof

Kieler Handballfans ließen sich vom schwachen DHB-Team ihre Laune nicht vermiesen

Die Medaillenränge gerieten für die deutsche Handball-Nationalmannschaft bereits am Sonntag nach der Niederlage gegen Frankreich außer Reichweite, nun ist auch das Spiel um Platz 5 rechnerisch nicht mehr möglich. Nach einer desolaten Leistung verlor das DHB-Team am frühen Dienstagabend sang- und klanglos mit 20:25 gegen Spanien und kann somit bei der Europameisterschaft in Österreich bestenfalls noch Achter werden. Die Handballfans im Kieler Hauptbahnhof ließen sich beim Public Viewing aber von der enttäuschenden Leistung der deutschen Mannschaft nicht die Stimmung vermiesen und feierten auch in der Schlussphase bei aussichtslosem Rückstand noch jeden Treffer. Am kommenden Donnerstag, den 28. Januar steht somit definitiv die letzte EM-Partie für den Weltmeister von 2007 auf dem Plan, Gegner sind dann die Tschechen um den bislang besten Turnierschützen Filip Jicha vom THW Kiel. Der Anpfiff des Spiels, welches natürlich wieder auf der großen Leinwand des Handballbahnhofs übertragen wird, erfolgt um 16:30 Uhr, das Rahmenprogramm startet wie gewohnt eine Stunde vorher.

NDR-Handballexperte Stefan Brasse musste am Dienstag erstmals auf seinen Co-Moderator Martin Schmidt verzichten – der ehemalige THW-Flügelflitzer machte sich Anfang der Woche selbst auf den Weg nach Innsbruck, um die Begegnungen des DHB-Teams noch hautnaher als im Handballbahnhof zu erleben. Dafür gesellte sich aber ein THW-Urgestein zum „Promi-Talk“ zu Stefan Brasse auf die Bühne. Der langjährige Torhüter Holger Oertel, der ab Ende der Achtziger auch vier Jahre lang als THW-Trainer an der Seitenlinie das Zepter schwang, war zu Gast im Handballbahnhof. Dieser war von den bisherigen Leistungen der deutschen Mannschaft bei der Europameisterschaft durchaus angetan und glaubte daher auch an einen knappen Sieg gegen Spanien. Stefan Brasse stand ihm natürlich wie gewohnt in nichts nach und tippte mit 31:25 für Deutschland sein bislang leider glückloses Standardergebnis.

Als das Duell der beiden Weltmeister von 2005 und 2007 dann aber pünktlich um 18:15 Uhr angepfiffen wurde, schwand die Zufriedenheit Oertels mit den deutschen Leistungen von Minute zu Minute. Das DHB-Team fand von Anfang an nicht ins Spiel und lag zum Entsetzen der Fans im Handballbahnhof schnell mit 1:4 hinten. Es schien fast, als wollte die Mannschaft am kommenden Wochenende lieber frei haben, statt am Samstagvormittag noch in Wien das Spiel um Platz 5 austragen zu müssen. Auf spektakuläre Paraden von Johannes Bitter wartete man vergebens, klug vorgetragene Angriffe der deutschen Mannschaft waren leider auch Mangelware. Nur neunmal gab es in der ersten Halbzeit Grund zum Torjubel im Hauptbahnhof, gleichbedeutend mit einem Musikeinspieler wie „Sweet Caroline“ oder „Chase The Sun“. Nichtsdestotrotz wurden die ausliegenden „Klatschpappen“ auch den Rest der Spielzeit über gnadenlos eingesetzt, die Fans wurden im Rhythmus einmal mehr unterstützt von einigen Trommlern aus den THW-Fanclubs. Der Halbzeitstand von 9:14 aus der Sicht Deutschlands verärgerte daher eigentlich niemanden, zumal Heiner Brands Jungs bislang zumeist erst in der zweiten Halbzeit so richtig aufzukommen wussten. Und da die deutsche Mannschaft mit vielen vergebenen Großchancen und ein wenig Pech bei mehreren Pfostentreffern ein besseres Pausenergebnis verpasste, gab es auch noch Hoffnung auf Besserung.

Diese allerdings trat nicht ein. Heiner Brand versuchte alles und gab vielen Spielern mit bislang wenig Einsatzzeiten bei der Europameisterschaft eine Chance. So richtig zu nutzen wusste diese aber nur Uwe Gensheimer, der sich mit vier Treffern in der Schlussphase sogar noch zum besten Torschützen der deutschen Mannschaft mauserte. Die Partie aber war zu diesem Zeitpunkt längst entschieden. Das DHB-Team konnte sich diesmal nicht mehr aufbäumen gegen Spanier, die sich ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckerten und an diesem Tage durchaus schlagbar gewesen wären. Den Kieler Fans im Hauptbahnhof machte dies aber kaum noch etwas aus: Sie feierten weiter das junge deutsche Team an, als stünde es gerade kurz vor dem EM-Titel. Und als der spanische Spielmacher Malmagro wenige Sekunden vor der Schlusssirene den 25:20-Endstand für Spanien erzielte, gab es auch erstmals einen Jubelschrei im Kieler Publikum für einen Treffer der Iberer – denn Kai Stock hatte exakt dieses Ergebnis getippt und damit einen original adidas-Champions-League-Handball gewonnen.

Nach dieser schwachen Partie Deutschlands gegen Spanien wollen sich Holger Glandorf, Johannes Bitter und Co. am Donnerstag würdevoll aus Innsbruck verabschieden. Immerhin ist mit einem Sieg gegen Tschechien noch der vierte Tabellenplatz in der Hauptrundengruppe – und damit der achte Platz im Gesamtklassement – drin. Dies sollte Ansporn genug sein für die junge deutsche Mannschaft, gegen Filip Jicha und seine Mitspieler eine gute Leistung abzurufen. Natürlich wird auch diese Partie live ab 16:30 Uhr im Handballbahnhof übertragen, das Rahmenprogramm mit der PC-Handballsimulation, der Wurftkraftmessung und der Moderation mit dem NDR-Handballguru Stefan Brasse startet wie immer eine Stunde vorher. Selbstverständlich darf auch das Tippspiel am Donnerstag nicht fehlen: Da es die definitiv allerletzte Partie der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft sein wird, werden zum Abschluss noch einmal besonders viele Preise verlost. Ein Vorbeischauen beim Public Viewing lohnt sich also allemal!