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NDR

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Bahnhof

Kieler Handballfans feierten DHB-Team trotz Niederlage gegen Frankreich

24.01.2010
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat am Sonntagnachmittag ihre erste Partie in der Hauptrunde der Europameisterschaft in Österreich verloren. Dennoch waren sich nach dem Abpfiff alle Fans beim Public Viewing im wieder einmal gut gefüllten Kieler Hauptbahnhof einig, dass das DHB-Team beim 22:24 gegen Olympiasieger und Weltmeister Frankreich über weite Strecken eine gute Leistung bot. Diese wurde natürlich bereits während der Partie durch ständiges Anfeuern honoriert, und wieder einmal blieb das Spiel bis in die Schlussminute spannend. Das Erreichen des Halbfinals ist für Deutschland nun zwar in weite Ferne gerückt, mit Schützenhilfe anderer Teams aber noch immer möglich. Voraussetzung sind aber natürlich auch Siege in den abschließenden Spielen gegen Spanien am Dienstag und gegen Tschechien am Donnerstag. Selbstverständlich werden auch diese beiden Partien wieder live und umrahmt von einem bunten Programm im Handballbahnhof übertragen.

Einige bange Fragen offenbarten sich am Sonntagnachmittag schon vor dem Anpfiff: Wird der bittere Tod von Ex-Nationalspieler Oleg Velyky Auswirkungen auf die Leistung der deutschen Auswahl haben? Wird die im Vorfeld des Turniers als übermächtig eingestufte „Équipe Tricolore“ dummerweise ausgerechnet zum Spiel gegen Deutschland die Form wiederfinden? Am Handballbahnhof gingen die Meinungen nie zuvor so weit auseinander, zwischen einem knappen Sieg für Deutschland und einem Debakel schien alles möglich. Optimistischer wurde es erst, als Klaus-Dieter Petersen zum Moderatorenteam um NDR-Stimmungskanone Stefan Brasse und Ex-THW-Rechtsaußen Martin Schmidt stieß. „Pitti“ war sich sicher, dass die deutsche Mannschaft den Sieg davontragen würde – zumindest, wenn die deutschen Keeper das Torwartduell gegen Thierry Omeyer für sich entscheiden sollten und man die deutschen Außen „nicht schon nach zehn Spielminuten quasi zum Duschen in die Kabinen schickt“. Sein Tipp fürs Spiel: Deutschland siegt 30:28.

Zehn Minuten vor Spielbeginn wurde schließlich auf der 15 m² großen Leinwand endlich in die Innsbrucker Olympiahalle geschaltet. Schon beim Spielen der Hymnen herrschte großer Aufruhr und ein wenig Uneinigkeit bei den vielen Fans im Kieler Hauptbahnhof: Sollte man den ehemaligen Kieler Nikola Karabatic, der sich in der vergangenen Spielzeit nicht gerade ehrenhaft vom THW verabschiedete, nun ausbuhen oder nicht? Im Laufe der folgenden Partie setzten sich zunehmend die Befürworter dieser Aktion durch, was der Stimmung im Handballbahnhof aber nur zu Gute kam.

Zunächst sahen die Fans, auch diesmal wieder tatkräftig unterstützt von mehreren Trommlern aus den THW-Fanclubs, eine aufopferungsvoll kämpfende deutsche Mannschaft, die besonders in der Abwehrarbeit zu überzeugen wusste. Jedes „Festmachen“ eines Franzosen, jede Parade von „Jogi“ Bitter wurde mit großem Jubel quittiert. Ein besonderes Augenmerk fiel aber auch auf das Privatduell zwischen Hamburgs Torsten Jansen und dem französischen THW-Keeper Thierry Omeyer, der bei einem Gegenstoß des Linksaußen am Kopf und wenig später bei einem Siebenmeter beinahe noch einmal getroffen wurde. Dies sorgte für ein erhitztes Gemüt beim aktuellen Welthandballer des Jahres und noch einmal für Uneinigkeit auf dem Handballbahnhof – in der Sparkassen-Arena-Kiel hätte man sicherlich einstimmig auf der Seite des Torhüters gestanden.

Dieses Duell war aber schnell in Vergessenheit geraten, denn die deutsche Mannschaft geriet nach gutem Beginn so langsam ins Hintertreffen. Als Schuldige wurden bei den Kieler Fans schnell die unglücklich pfeifenden „Unparteiischen“ aus Rumänien ausgemacht, deren Entscheidungen mehrmals mit „Schieber“-Rufen quittiert wurden. Nichtsdestotrotz war man sich auch auf dem Handballbahnhof einig, dass die deutsche Mannschaft zur Halbzeit auch aus eigener Kraft zumindest ein Unentschieden hätte erreichen können. Nur leider offenbarten die Deutschen, insbesondere auch THW-Star Christian Sprenger bei zwei Gegenstößen, eine große Abschlussschwäche, so dass es mit einem 10:12-Rückstand in die Kabinen ging.

Noch jedoch war der Optimismus bei den mehreren hundert Fans beim Public Viewing ungebrochen, und mit einem warmen Getränk gestärkt glaubten viele an eine Wende im zweiten Durchgang. Diese positive Grundstimmung aber verschwand binnen fünf Spielminuten, in denen Deutschland rein gar nichts, Frankreich dafür alles gelingen wollte. Plötzlich stand es 17:10 für den Favoriten, und auch der letzte Optimist glaubte nicht mehr daran, dass Deutschland die Partie noch einmal drehen könnte. Der Stimmung aber im Handballbahnhof schadete dieser Spielstand weniger, denn die Fans feierten weiterhin jeden Treffer des DHB-Teams mit großem Applaus und sogar Gesang bei den vielen musikalischen Einspielern von der Technik. So richtig erklären konnte es sich dann auch keiner, dass die deutsche Mannschaft plötzlich noch einmal Morgenluft witterte, als sie mit ihrerseits fünf Treffern in Folge wieder auf 20:22 herankam. Und Torsten Jansen bekam sogar per Siebenmeter die große Chance, seine Farben bis auf ein Tor heranzubringen. Kollektive Verzweiflung aber machte sich am Hauptbahnhof breit, als der HSV-Linksaußen den französischen Torhüter Karaboué im Grunde schon überlistet hatte, der Ball dann aber vom Innenpfosten zurück ins Feld sprang. Im Gegenzug machte schließlich Frankreich endgültig alles klar.

Die deutsche Mannschaft schlich letztlich gesenkten Hauptes vom Parkett, die Kieler Handballfans aber stimmten nach einer weiteren tollen Aufholjagd des Teams versöhnlichere Töne an. Und zumindest Karolin, Philipp und Marvin konnten kurz nach dem Schlusspfiff
jubeln, denn sie gewannen bei dem Handball-Tippspiel diesmal die ersten drei Preise.

Nach einem Ruhetag trifft die deutsche Mannschaft am Dienstag um 18:15 Uhr auf Spanien, den Weltmeister von 2005. Auch dieser Handball-Klassiker – das Duell der Nationalmannschaften der stärksten Ligen der Welt – verspricht wieder jede Menge Spannung, Jubel, Verzweiflung, Hoffen und Bangen bei allen Fans. Selbstverständlich wird auch diese Partie wieder im Kieler Hauptbahnhof übertragen, NDR-Handballexperte Stefan Brasse führt ab 17:15 Uhr durch das Programm und bekommt wie immer Verstärkung von einem aktuellen oder ehemaligen THW-Spieler. Wer dies am Dienstag sein wird, verraten wir Ihnen am Montag auf www.handballbahnhof.de.