Geschafft! Kieler Handballfans feierten deutschen Einzug in EM-Hauptrunde22.01.2010Riesengroßer Jubel am Freitag im Handballbahnhof: Die deutsche Nationalmannschaft gewann ihr entscheidendes drittes Vorrundenspiel bei der Europameisterschaft in Österreich gegen Rekordtitelträger Schweden und schaffte somit doch noch den Einzug in die Hauptrunde. Erneut waren mehrere hundert Handballfans zum Kieler Hauptbahnhof geströmt, um die Partie gemeinsam auf einer 15 m² großen Leinwand zu verfolgen. Tatkräftige Unterstützung beim kollektiven Anfeuern bekamen die Besucher diesmal von mehreren Trommlern aus den THW-Fanclubs. Nach 60-minütigem Hoffen und Bangen lagen sich nach dem dramatischen 30:29-Sieg für das DHB-Team die deutschen Spieler auf der Leinwand und die Fans auf dem Hauptbahnhof in den Armen – die Medaillenjagd geht für den Weltmeister von 2007 also weiter. Schon am Sonntag bekommt es die DHB-Auswahl mit Olympiasieger Frankreich zu tun. Zu Gast im „Promi-Talk“ mit Stefan Brasse und Martin Schmidt ist dann Ex-„Zebra“ Klaus-Dieter „Pitti“ Petersen. Irgendwie schien es im Kieler Hauptbahnhof, als hätten die Spiele der deutschen Nationalmannschaft am Dienstag gegen Polen (25:27) und am Mittwoch gegen Slowenien (34:34) gar nicht richtig stattgefunden. Es herrschte Aufbruchstimmung bei den vielen Kieler Handballfans, die erneut schon 60 Minuten vor Spielbeginn das Public-Viewing-Areal bevölkerten. „Jetzt oder nie“ lautete passend zum Entscheidungsspiel gegen Schweden die Devise, mit nur einem Sieg könnte das DHB-Team den holprigen Auftakt vergessen machen und die Medaillenhoffnung aufrecht erhalten. Und die Fans waren bester Dinge, dass dies auch so kommen würde – selbst, wenn die meisten von ihnen auch die stets sympathische schwedische Nationalmannschaft um THW-Star Kim Andersson ebenfalls gerne in der Runde der letzten 12 sehen würden. Zum bislang wohl kontroversesten „Promi-Talk“ hatten NDR-Handballexperte Stefan Brasse und Ex-THW-Flügelflitzer Martin Schmidt ausgerechnet zwei schwedische Handballer von Rekordmeister THW Kiel eingeladen. „Zebra“-Kapitän Marcus Ahlm und Kultkeeper Peter Gentzel machten dann auch keinen Hehl daraus, dass sie dem „Team Tre Kronor“ die Daumen drücken würden. Immerhin standen sie beim letzten großen schwedischen Triumph, beim Europameistertitel 2002 im eigenen Lande, noch selbst im siegreichen Kader. So stand es bei der obligatorischen Tipprunde auf der Bühne diesmal 2:2 zwischen Deutschland und Schweden, denn natürlich blieb der Optimismus des Moderatorenteams trotz überzeugender Argumente der Gäste ungebrochen. Die Kieler Fans verziehen ihren THW-Stars aber sehr schnell, denn als Marcus Ahlm und Peter Gentzel im Anschluss an den „Promi-Talk“ ihre Autogrammkarten zückten, bildeten sich schnell lange Reihen. Als wenig später auf der 15 m² großen Leinwand live in die Innsbrucker Olympiahalle geschaltet wurde, dauerte es nicht lange, bis sich endgültig Gänsehautstimmung breit machte im prall gefüllten Handballbahnhof. Insgesamt sieben Ostseehallen-erprobte Trommler aus den Fanclubs des THW Kiel gaben den Takt vor, die übrigen Zuschauer stimmten schnell mit ein. Und obwohl die Spieler von Heiner Brand den Geräuschpegel aus Kiel physikalischen Gesetzen zufolge aller Wahrscheinlichkeit nicht hören konnten, wirkten sie vom Anpfiff an wach und begeisterten die Fans mit tollen Spielzügen und Toren im Minutentakt. Ähnlich wie in der zweiten Halbzeit gegen Slowenien durfte ständig gejubelt werden, sei es über Paraden des gut aufgelegten Silvio Heinevetter im deutschen Tor, über die Nervenstärke eines Torsten Jansen vom Siebenmeterpunkt oder aber über die in den ersten Spielen so schmerzlich vermisste Mischung aus Präzision und Wurfgewalt beim Rückraumschützen Holger Glandorf. Allerdings ließ sich die schwedische Nationalmannschaft trotz der 21 deutschen Tore im ersten Durchgang nicht wirklich abschütteln: Ausgerechnet THW-Star Kim Andersson erwischte einen „Sahnetag“ und hielt seine Farben im Spiel – ein ungewohntes Bild, dass in Kiel nach seinen Treffern einmal nicht gejubelt wurde. Durch die 21:18-Halbzeitführung und die Tatsache, dass die zweiten 30 Minuten bislang stets die stärkeren der deutschen Mannschaft waren bei dieser EM, waren sich die meisten Fans im Handballbahnhof bereits sicher, dass der Hauptrundeneinzug nun nur noch Formsache wäre. Schon jetzt wurde sich für den Sonntag verabredet, der komplizierte Spielplan gewälzt und geguckt, welche Mannschaft denn dann als nächstes besiegt werden dürfte. Doch wieder einmal blieb sich das Team von Heiner Brand in dem Sinne treu, dass ihre EM-Partien stets spannend bis in die Schlussminute sind. Nach dem 23:19 durch Michael Kraus brachten die deutschen Angreifer die Kieler Handballfans einmal mehr zur schieren Verzweiflung: Zwölf Minuten lang gelang der Mannschaft kein Treffer, selbst „Hundertprozentige“ wie ein Gegenstoß des ansonsten starken Torsten Jansen wurden vergeben. Schweden verkürzte bis Mitte der zweiten Halbzeit bis auf einen Treffer, das Hoffen und Bangen hatte wieder eingesetzt. Hoffen darauf, dass die Adduktorenverletzung des zuvor stark aufspielenden „Mimi“ Kraus ihn nicht vollkommen außer Gefecht setzen würde. Bangen, dass die deutsche Abwehr nach der roten Karte für Oliver Roggisch total zerfällt. Aber es reichte: Letztlich setzte sich das DHB-Team hauchdünn mit 30:29 durch, endlich durfte der erste Sieg gebührend gefeiert werden. In der Hauptrunde bekommt es Deutschland nun zunächst mit dem amtierenden Olympiasieger Frankreich um Welthandballer Thierry Omeyer, dann mit den in der Vorrunde wiedererstarkten Spaniern und schließlich mit Tschechien um THW-Torjäger Filip Jicha zu tun. Drei weitere Handballfeste im Kieler Hauptbahnhof sind also bereits gesichert, und zwar am Sonntag (24.1.), Dienstag (26.1) und Donnerstag (28.1.). Zum Auftakt der Hauptrunde haben sich die Moderatoren um NDR-Handballexperte Stefan Brasse und Ex-THW-Star Martin Schmidt für den „Promi-Talk“ das ehemalige Kult-„Zebra“ Klaus-Dieter „Pitti“ Petersen eingeladen. Das bunte Rahmenprogramm mit Musik und Informationen rund ums Spiel beginnt wie immer eine Stunde vor dem Anpfiff. |





