Kieler Handballfans feierten gemeinsam ersten deutschen Punktgewinn20.01.2010Im zweiten Anlauf hat das lautstarke Anfeuern geholfen: Auch am Mittwoch besuchten wieder mehrere hundert Handballfans den Kieler Hauptbahnhof, um gemeinsam die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Österreich nach vorne zu peitschen. Spannung herrschte beim Spiel gegen Slowenien bis zur Schluss-Sekunde, ehe sich die beiden Teams in einer Neuauflage des EM-Finals von 2004 letztlich 34:34 unentschieden trennten. Somit kommt es für Deutschland am kommenden Freitag, den 22. Januar zu einem echten „Endspiel“ der Vorrunde gegen Rekord-Europameister Schweden. Selbstverständlich wird auch diese Partie wieder im Kieler Handballbahnhof live ab 18.15 Uhr übertragen, zum „Promi-Talk“ haben sich Stefan Brasse und Martin Schmidt ab 17.15 Uhr mit Marcus Ahlm und Peter Gentzel zwei aktuelle THW-Schweden eingeladen. Trotz der Auftaktniederlage gegen Polen vom Vortag war der Optimismus bei den Kieler Handballfans weiter ungebrochen. Nicht nur THW-Geschäftsführer Uli Derad wusste, dass das DHB-Team auch beim EM-Triumph 2004 in Slowenien einen lupenreinen Fehlstart hinlegte, um sich letztlich doch noch in einen Rausch zu spielen. Die insgesamt positive Grundstimmung übertrug sich auch auf das Moderationsteam um den erneut bestens aufgelegten Stefan Brasse, Handball-Experte von Medienpartner NDR1 Welle Nord, und Ex-THW-Star Martin Schmidt. Sie beide und auch der diesmal zum „Promi-Talk“ geladene THW-Spieler Christian Zeitz waren sich im Vorfeld der Partie einig, dass Deutschland gegen Slowenien die ersten beiden Punkte wird einfahren können. Lediglich der zweite Stargast des Tages, Ex-Handball-Nationalspieler Wolfgang Schwenke, blieb skeptisch und tippte sehr zum Entsetzen der Fans auf eine weitere deutsche Niederlage. Als die Partie um 18.30 Uhr angepfiffen wurde, war das Areal rund um die große Bahnhofstreppe bereits wieder bestens gefüllt und natürlich ganz in schwarz-rot-goldener Hand. Zu feiern gab es im Spiel indes zunächst einmal gar nichts, denn die deutsche Nationalmannschaft fand überhaupt nicht in die Partie. Die erste gelungene Aktion eines Deutschen war dementsprechend die bereits nach acht Minuten genommene Auszeit Heiner Brands. Danach dauerte es aber nicht mehr lange: Holger Glandorf verkürzte mit einem wuchtigen Wurf auf 1:4 gegen zunächst stark auftrumpfende Slowenen und sorgte damit zum ersten Jubel im Kieler Bahnhof. Die von Ex-THW-Trainer Noka Serdarusic trainierten Osteuropäer behielten das Spiel allerdings weiterhin in der Hand, beim Zwischenstand von 10:3 für Slowenien drohte der deutschen Auswahl gar ein Debakel. Immer wieder scheiterten die deutschen Angreifer am anfangs überragenden slowenischen Keeper Goradz Skof und sorgten dafür, dass etliche Handballfans im Kieler Hauptbahnhof sich ständig die Haare rauften. So konnte sich am Ende der ersten Halbzeit auch niemand so richtig erklären, wie es das DHB-Team geschafft hatte, bis zur Pause immerhin auf 11:16 zu verkürzen. Die Halbzeitpause tat nicht nur den deutschen Handballspielern gut, auch die Fans am Kieler Handballbahnhof fanden nun die Zeit, sich für die zweiten 30 Minuten am Glühweinstand oder bei „Le Crobag“ zu stärken. Große Hoffnung auf eine Wende der Partie versprühten allerdings mittlerweile nur noch die wenigsten der Zuschauer. „Also wenn sie so weiterspielen, dann wird das ein ganz bitteres Endergebnis für die Deutschen“, war sich Rainer (31) sicher. Doch genau so überzeugt fügte er hinzu: „Aber sie werden so nicht weitermachen. Deutschland gewinnt die Kiste noch mit zwei Toren. Das hatte ich immerhin beim Gewinnspiel auch getippt.“ Zumindest kam die deutsche Mannschaft tatsächlich wie verwandelt aus den Kabinen. Das im ersten Durchgang so brach gelegene Angriffsspiel funktionierte mit Michael Haaß in der Mitte und Michael Müller im rechten Rückraum sehr passabel, Deutschland traf gegen etwas nachlassende Slowenen plötzlich im Minutentakt. Einziges Problem: Slowenien hatte zunächst immer eine passende Antwort parat und konterte stets postwendend. So ergab sich ein stetig wechselndes Bad der Gefühle im Kieler Handballbahnhof: Kaum hatten die Fans die Treffer der Deutschen, insbesondere des immer wieder glänzend vollstreckenden Kreisläufers Christoph Theuerkauf, bejubelt, ärgerte man sich schon wieder über einen Gegentreffer. Bis zum 30:25 in der 50. Spielminute hatte der Fünf-Tore-Vorsprung Sloweniens noch Bestand, doch man merkte der deutschen Mannschaft an, dass sie sich noch lange nicht aufgegeben hatte. Und tatsächlich: Als THW-Rechtsaußen Christian Sprenger per Gegenstoß zum 30:32 vollstreckte, war die Hoffnung endgültig zurückgekehrt. Es wurde laut im Kieler Hauptbahnhof, als Lars Kaufmann erstmals in der Partie auf ein Tor verkürzte und der überragende Christoph Theuerkauf zwei Minuten vor Schluss den 34:34-Endstand markierte. Letztlich herrschte nach dem Schlusspfiff nur noch Uneinigkeit darüber, ob dies nun ein Punktgewinn oder doch ein Punktverlust für die deutsche Mannschaft gewesen sei. „Natürlich hätte Deutschland in der letzten Minute noch den Siegtreffer machen können. Aber das Team sollte auch stolz drauf sein, wie es in der zweiten Halbzeit ein fast schon verloren geglaubtes Spiel noch drehen konnte“, zog Rainer am Ende sein Resümee. Und obwohl er beim Tippspiel knapp daneben lag, fühlte er sich nach seinem in der Halbzeitpause noch belächelten Spieltipp insgeheim doch wie ein Gewinner. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat nun erst einmal einen Tag Zeit, um sich zu regenerieren. Am Freitag, den 22. Januar geht es dann aber in einem echten „Endspiel“ der Vorrunde gegen Rekord-Europameister Schweden. Das DHB-Team um Kapitän Michael Kraus darf sich nach dem hart erkämpften Punktgewinn gegen Slowenien keinen Ausrutscher gegen die Mannschaft von Trainer Staffan Olsson und Kapitän Kim Andersson erlauben, ansonsten muss Deutschland bereits vorzeitig die Heimreise antreten. Selbstverständlich wird diese Partie wieder im Kieler Handballbahnhof live ab 18.15 Uhr übertragen. Zum „Promi-Talk“ haben sich Stefan Brasse und Martin Schmidt diesmal ab 17.15 Uhr zwei aktuelle THW-Spieler eingeladen, die insgeheim sicherlich den Skandinaviern die Daumen drücken: Kreisläufer und „Zebra“-Kapitän Marcus Ahlm und Kultkeeper Peter Gentzel gehörten beim letzten großen schwedischen Triumph bei der Europameisterschaft 2002 noch selbst zum Aufgebot. |





