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Großes Mitfiebern im Handballbahnhof ohne Happy-End

Mehrere hundert Handballfans verwandelten am Dienstag den Kieler Hauptbahnhof in einen Handballbahnhof. Zur Auftaktpartie der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Österreich bangten und jubelten die Anhänger gemeinsam mit dem DHB-Team. Leider ohne den erhofften Erfolg für Heiner Brands Mannschaft: Diese verlor letztlich die Neuauflage des WM-Endspiels von 2007 gegen starke Polen mit 25:27 (8:12). Schon am Mittwoch haben die Deutschen die Chance auf Wiedergutmachung: Um 18.30 Uhr geht es im zweiten Gruppenspiel gegen Slowenien, die Moderatoren Stefan Brasse und Martin Schmidt begrüßen als Gäste ab 17.30 Uhr im Handballbahnhof THW-Spieler Christian Zeitz und Ex-Nationalspieler Wolfgang Schwenke.

Bereits um 17.00 Uhr, somit 90 Minuten vor Beginn des EM-Auftaktspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Polen, bevölkerten die ersten Handballfans das Areal rund um die große Treppe am Kieler Hauptbahnhof. Kein Wunder, denn die Werbegemeinschaft des Kieler Hauptbahnhofes und die Sport- und Event-Marketing Schleswig-Holstein hatten sich rund um das Public Viewing einiges einfallen lassen. So sorgten beispielsweise mehrere Industrie-Heizgeräte dafür, dass von der eisigen Kieler Kälte nichts mehr zu spüren war.

Um 17.30 Uhr legte dann auch schon das Moderatorenteam um Stefan Brasse, Handball-Experte von Medienpartner NDR1 Welle Nord, und Ex-Nationalspieler und THW-Star Martin Schmidt los. So hatten sich zum Auftaktspiel niemand Geringeres als THW-Trainer Alfred Gislason und THW-Geschäftsführer Uli Derad auf den Weg zum Handballbahnhof gemacht. „Es wird eine ganz enge Partie“, prophezeite der isländische Coach und tippte für die Neuauflage des WM-Endspiels von 2007 auf ein 27:27-Unentschieden. Uli Derad und auch Martin Schmidt tippten hingegen jeweils auf einen knappen Erfolg für das DHB-Team, während Stefan Brasse gar einen Kantersieg für Heiner Brands Truppe herbeisehnte – sehr zum Wohlgefallen der vielen Handballfans im bereits gut gefüllten Kieler Hauptbahnhof. Wenige Meter weiter misslang hingegen die digitale Generalprobe: Im brandneuen PC-Handball-Spiel „European Tournament 2010“ setzte sich Polen – mit dem 11-jährigen Ole am Joypad – mit 9:7 gegen die deutsche Mannschaft bzw. einen NDR-Mitarbeiter, der an dieser Stelle nicht genannt werden möchte, durch. Dennoch: Im Handballbahnhof regierte der Optimismus, nur wenige Schwarzseher und Polen-Fans befürchteten einen deutschen Fehlstart in das Turnier.

Endlich startete um 18.30 Uhr die lang ersehnte Partie. Angefeuert von nun mehreren hundert mit „Klatschpappen“ ausgestatteten Fans fand die deutsche Mannschaft allerdings nur schwer ins Spiel. Das 1:0 durch einen Kracher von Lars Kaufmann sollte die einzige Führung fürs DHB-Team bleiben, insgesamt gelangen der Mannschaft von Heiner Brand in der ersten Halbzeit nur acht Treffer. Gründe zum Jubeln fanden die Handballfans aber dennoch genug, denn die Defensivarbeit des Weltmeisters von 2007 konnte sich sehen lassen. Insbesondere die Paraden von Johannes Bitter, der in der Anfangsphase gleich zwei Siebenmeter der Polen entschärfen konnte, sorgten für Szenenapplaus und Hoffnung auf eine weitere deutsche Führung. Doch nachdem Lars Kaufmann in der 25. Spielminute mit seinem bereits vierten Treffer den 8:8-Ausgleich markierte, lief bis zum Pausenpfiff gar nichts mehr zusammen bei Deutschland. Fehlpässe und technische Fehler am Fließband sorgten für Entsetzen und Unverständnis im Kieler Hauptbahnhof, mit vier Treffern in Folge konnte sich Polen bis zur Halbzeit auf 12:8 absetzen.

In der Halbzeitpause machte sich daher eine leichte Ernüchterung breit: „Das wird jetzt ganz schwer in der zweiten Halbzeit. Ehrlich gesagt glaube ich nicht mehr daran, dass die Jungs das noch umbiegen können heute“, fand Lars (26) deutliche Worte, um dann aber schnell nachzufügen: „Aber Deutschland ist ja eine Turniermannschaft. Selbst wenn sie heute verlieren, ist ja noch nicht aller Tage Abend.“ Ingrid (37) hingegen gab sich noch kämpferischer, denn „schlechter als in der ersten Halbzeit kann es ja nicht mehr werden“. Die Stimmung ließen sich die Kieler aber dadurch nicht vermiesen: Während Nachwuchs-Handballer Phillipp mit einem strammen Hammer von 78 km/h die Führung bei der Wurfgeschwindigkeitsmessung übernahm, feierten sich die Handball-Fans mit dem offiziellen EM-Song „Sweet Caroline“ von DJ Ötzi einfach selbst.

Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel der deutschen Mannschaft zunächst indes nicht besser, Polen zog sogar bis auf sechs Tore davon. Doch in der Schlussphase wurde es noch einmal spannend: Als THW-Flügelflitzer Christian Sprenger zweieinhalb Minuten vor Schluss einen polnischen Pass abfing und per Gegenstoß seinen zweiten Treffer markierte, war Deutschland beim 22:24 plötzlich wieder bis auf zwei Tore dran. Das Hoffen und Bangen regierte nun im Handballbahnhof, doch spätestens mit dem 27. Treffer sorgten die Polen dann doch für den deutschen Knock-Out. Immerhin blieb nach dem 25:27 bei den Fans die Erkenntnis, dass das DHB-Team bis zuletzt um seine Chance gekämpft hat und in der Verfassung der letzten 15 Minuten auch keine Probleme haben sollte, den Einzug in die Hauptrunde zu schaffen.

Einen großen Schritt dorthin können Holger Glandorf, Michael Kraus, Christian Sprenger und Co. bereits am Mittwoch, den 20. Januar unternehmen. Der Gegner ab 18.30 Uhr ist dann die slowenische Nationalmannschaft, die seit letztem Sommer vom ehemaligen THW-Coach Noka Serdarusic trainiert wird. Natürlich wird auch diese Partie im Kieler Handballbahnhof live übertragen. Zur Einstimmung ab 17.30 Uhr begrüßen Stefan Brasse und Martin Schmidt diesmal „Zebra“-Torjäger Christian Zeitz und den ehemaligen THW-Spieler Wolfgang Schwenke. Bei selbstverständlich freiem Eintritt steht einer weiteren Handball-Party im Kieler Hauptbahnhof somit nichts im Weg – nur bitte diesmal dann hoffentlich mit Happy End.