Vorzeitiges Ende für den Handballbahnhof

Noch einmal waren die vielen Fans der deutschen Handball-Nationalmannschaft in den Kieler Handballbahnhof gekommen, um gemeinsam die Daumen zu drücken für das „Finale“ um den Halbfinaleinzug. Gegen Spanien blieb es eine Halbzeit lang richtig spannend, dann machte sich auch vor der Großbildleinwand Fassungslosigkeit breit: Mit einem 0:8-Lauf verspielte die DHB-Auswahl ab der 34. Minute alle Chancen auf einen Sieg. Das 27:31 gegen die Iberer war das Ende aller Hoffnungen auf eine Titelverteidigung der „Bad Boys“ – und beendete auch das deutschlandweit einzigartige Public Viewing im Kieler Einkaufsbahnhof vorzeitig.

Viele Fans hatten sich auf den Abend gefreut, und gingen mit einigem Optimismus in die Partie – wie auch THW-Trainer Alfred Gislason, der einen Drei-Tore-Sieg für Deutschland vorhersagte. Der Isländer wies aber gleichzeitig darauf hin, dass er beim Tippen zu Hause stets verlöre: „Ich bin deshalb für einen echten Tipp wohl nicht der richtige Ansprechpartner.“ Dafür berichtete Gislason über den Trainingsalltag mit nur sechs verbliebenen THW-Spielern in Kiel. „Das ist für die Jungs richtig hart, vor allem, weil wir viel laufen. Aber mit sechs Spielern ohne Torwart ist Handball-Training eben nur eingeschränkt möglich.“ Deshalb freue er sich über jeden Spieler, der heil aus Kroatien zurückkehre. „Aber in dieser Phase wünscht man natürlich seinen eigenen Spielern den maximalen Erfolg – das ist unter Sportlern doch selbstverständlich.“ Dann gab der gut gelaunte THW-Trainer viele Autogramme und posierte für Erinnerungsfotos – bis die Hymnen den Fokus auf das Spiel richten ließen.

In diesem hatte sich vor allem der Kieler Andreas Wolff eine Menge vorgenommen, seine Paraden wurden genauso lautstark gefeiert wie die Tore von Patrick Wiencek und allen anderen deutschen Spielern. Die Haare rauften sich die Fans allerdings bei den zahlreichen vergebenen Chancen im ersten Durchgang, und dennoch ließ das 13:14 zur Pause noch auf einen weiteren tollen Abend im Handballbahnhof hoffen. Diese Hoffnung wurde dann allerdings ab Minute 34 zerstört: Mit einer Vielzahl an technischen Fehlern machte es die deutsche Mannschaft den Spaniern leicht, kassierte acht Gegentore in Folge und ließ auch danach die Möglichkeiten aus, die es für ein Wunder gebraucht hätte. Toll war indes die Reaktion der Fans im Bahnhof – sie feierten jeden weiteren deutschen Treffer und spendeten trotz aller Enttäuschung viel Applaus. „Wir hoffen, auch bei der WM in Deutschland und Dänemark im kommenden Jahr wieder den Handballbahnhof anbieten zu können“, sagte Organisator Frank Ubben. „Die Kieler Handballfans hätten es sich einmal mehr verdient!“

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