Dramatik pur: Deutschland holt Unentschieden gegen Slowenien

Es gibt Dinge, die hat auch der geneigte Handball-Fan noch nicht gesehen. Die Schlussphase der zweiten Vorrunden-Partie der deutschen Mannschaft bei der Handball-Europameisterschaft dürfte deswegen in die Geschichtsbücher eingehen. Selten lagen Leid und Freud so dicht beieinander wie in den letzten Sekunden einer packenden Begegnung gegen den WM-Dritten Slowenien. Am Ende jubelten die Fans im Handballbahnhof über den Ausgleichstreffer von Tobias Reichmann zum 25:25 – und die Erläuterungen der beiden Moderatoren Maike Jäger und Christian Robohm, die die turbulenten Sekunden mit Videobeweis, Roter Karte und Siebenmeter einsortierten.

Der dramatische Handballabend im Hauptbahnhof hatte entspannt begonnen. Europameister Christian Dissinger stattete dem einzigartigen Public Viewing seinen Besuch ab, berichtete von der EM 2016 und einem Gespräch zwischen den Kieler Spielern verschiedener Nationen im Teamhotel: „Nächste Woche stehen wir wieder auf dem Trainingsplatz bei Alfred“, sei die einhellige Meinung gewesen. Doch es kam anders: Dissinger, Steffen Weinhold, Andreas Wolff und Rune Dahmke feierten zwei Wochen später den EM-Triumph. „Das Gespräch zeigt, wie überraschend der EM-Sieg auch für uns Spieler kam“, sagte der Rechtshänder mit einem Schmunzeln – und tippte auf einen knappen Zwei-Tore-Sieg der deutschen Mannschaft.

Nach dem Erfüllen vieler Autogramm- und Fotowünsche musste Dissinger dann allerdings mit ansehen, wie sein Kieler Teamkollege Miha Zarabec gemeinsam mit dessen slowenischen Mitspielern die DHB-Auswahl von einer Verlegenheit in die nächste stürzte. Nur wenig gab es bis zum Seitenwechsel zu bejubeln – das 10:15 zur Pause sorgte für Ernüchterung im Handballbahnhof.

Das änderte sich nach dem Wechsel: Tor um Tor kämpfte sich die deutsche Mannschaft heran, und als die „Bad Boys“ beim 21:20 durch Pekeler erstmals in Führung gehen konnten, dürfte der Jubelschrei aus unzähligen Kehlen bis weit in die Handballstadt hinein zu hören gewesen sein. Doch die Partie blieb spannend, sah zunächst die Slowenen mit zwei Treffern vorn. Dann die letzte Minute: Drux glich elf Sekunden vor dem Ende aus – Riesenjubel gefolgt von blankem Entsetzen, weil Janc im direkten Gegenzug den vermeintlichen Siegtreffer erzielte. Proteste nach dem folgenden Anwurf – und ungläubiges Staunen vor der 15-Quadratmeter-Leinwand: Sollte der Videobeweis doch noch eine Wende zum Guten für die deutsche Mannschaft bringen? Er brachte sie. Es gab Strafwurf, den Reichmann sicher zum 25:25-Ausgleich verwandelte. Riesen-Jubel – und ein kräftiges Durchatmen im Handballbahnhof. Ein Wechselbad der Gefühle, das man so wohl nur beim Public Viewing in Kiel erleben kann.

Durch den Sieg sicherte sich die deutsche Mannschaft den Hauptrunden-Einzug und kämpft nun im Gruppen-Finale am Mittwoch um den Gruppensieg: Gegner ist Mazedonien, der Handballbahnhof startet um 17:30 Uhr mit dem großen Rahmenprogramm. Zu Gast sein werden die beiden THW-Außen Ole Rahmel und Emil Frend Öfors.

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